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STREET HARASSMENT: Wenn Belästigung zum normalen Alltag wird

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Ich möchte heute gerne über ein etwas anderes Thema mit dir reden. Es geht weder um Kosmetik noch um Fashion, Rezepte oder andere (eigentlich banale) Themen. Es geht um etwas, das mir seit längerer Zeit am Herzen liegt und mich auch in irgendeiner Form belastet.

Ich denke, dass jedes Mädchen, jede Frau, sich schon mindestens ein Mal (in den meisten Fällen öfter) in Situationen wiedergefunden hat, in denen sie sich nicht wohl oder bedrängt gefühlt hat, ja vielleicht sogar richtige Angst verspüren musste. Ich spreche hier von Vorfällen die auf der Straße, bei der Bushaltestelle, in U-Bahnen und auch sonst eigentlich an jeglichem öffentlichen Raum vorkommen. Es beginnt beim angestarrt werden und blöden Mimiken, geht weiter zu Sprüchen, die einem nachgerufen werden und endet beim verfolgt und ungewollt berührt werden. All das sind Vorkommnisse, die ich selbst nicht selten erlebe und ich weiß von meinen Freundinnen und Bekannten, dass es ihnen nicht anders geht.

„Aber irgendwie ist das ja fast schon normal“, „Hast du dich da nicht schon dran gewöhnt? Sowas passiert doch ständig“ und „Mehr als es zu ignorieren kann man ja eh nicht machen“ sind alles Sätze, die ich zu diesem Thema schon von Frauen (!) gehört habe. Findest du das nicht erschreckend? Die Tatsache, dass Belästigung scheinbar wirklich schon zum Alltag geworden ist?

Ich kann fast schon wöchentlich von Situationen berichten, in denen sich seltsame Personen auf dem U-Bahn Sitz zu nah zu mir drücken und mich mit Blicken bedrängen. Situationen in denen ich direkt bei einer Straßenbahnhaltestelle von einem Mann abgedrängt werde, er mich nicht weitergehen lässt und ziemlich eindeutige Gesichtsmimiken spielt und absolut niemand von denen, die genau daneben stehen, sagt auch nur ein Wort. Situationen, in denen man als Mädchen allein auf der Straße geht und eine Gruppe Männer von der gegenüberliegenden Straßenseite es für lustig befindet „coole“ Sprüche und Worte wie „Bleib doch mal stehen!“ oder „Hey Süße!“ hinüberzurufen. Ja, es sind nur Sprüche. Und trotzdem – man fühlt sich unwohl und ausgeliefert.

Für mich sind die vorhin erwähnten Worte anderer Mädchen nun in etwa folgendermaßen zu verstehen: All das, was ich gerade beschrieben habe, ist hinzunehmen und ganz normal. Natürlich fühlt sich niemand wohl in solchen Situationen, aber man muss sich an sie gewöhnen und am besten ignorieren. Ich WILL sie aber nicht hinnehmen. Und das sollte auch kein Mädchen, keine Frau dieser Welt tun müssen.

Ja, Wien ist im Grunde eine vergleichsweise sichere Stadt. Und doch weiß ich nicht wie oft ich spät Abends schon mit dem Handy am Ohr nach Hause gegangen bin, auch wenn niemand dran war. Aber wie kommt man dazu, sich im öffentlichen Raum so einschränken zu lassen? Wie  kommt man als Frau dazu, sich teilweise auch noch Sprüche wie „Wenn man ein kurzes Kleid trägt dann braucht man sich auch nicht wundern wenn man angemacht wird“ anhören zu müssen?

NEIN – ob ich im kurzen Kleid, im Strampelanzug, im Anorak oder in Unterwäsche aus dem Haus gehe – es ist meine Entscheidung, mein Körper und MEIN ABSTAND der zu mir bewahrt werden muss, immer und in jedem Fall.

Wenn ich ehrlich sein soll, weiß ich gar nicht so richtig, was ich mir von diesem Beitrag erwarte oder erhoffe. Ich bezweifle, dass ich die Menschen, die zu solchen Taten fähig sind, damit in irgendeiner Form erreichen kann. Mir ist auch bewusst, dass ich mit meinem Geschriebenen keiner Frau etwas Neues erzählt habe. Und doch wollte ich das Thema einfach einmal aufgreifen. Ohne richtige Planung wie das ganze im Endeffekt aussehen soll, ohne Konzept, ohne „Und die Moral von der Geschicht‘ …“.

Ich wollte drauf los schreiben, weil ich finde, dass über all das viel zu wenig gesprochen wird und weil ich das Gefühl habe, dass ganz viele Frauen und Mädchen da draußen sich oft gar nicht trauen von ihren Erlebnissen zu erzählen, weil es „eh immer von allen heruntergespielt wird“. Weil sie denken, sie seien selbst schuld aufgrund ihres „zu kurzen Rocks“ oder „zu hohen Schuhen“ die sie beim Ausgehen an hatten. Weil sie vielleicht denken, sie müssten anzügliche Sprüche als Komplimente auffassen.  Oder weil sie tatsächlich glauben, all das als völlig normal hinnehmen zu müssen.

Ich wünsche mir jedenfalls, dass du dich nicht einschüchtern lässt. Dass du an deinem Selbstbewusstsein festhältst, im Falle unangenehmer Vorkommnisse offen darüber sprichst und dir nie deinen öffentlichen Raum nehmen lässt. Was ich mir aber vor allem und in erster Linie wünsche, ist es, dass Frauen enger zusammenhalten, sich gegenseitig unterstützen und in gewisser Form auch beschützen. Es gibt leider nur wenige Menschen, die heutzutage noch ein Gespür für angebrachte Zivilcourage besitzen. Dabei ist das so unendlich wichtig. Bitte helft einander, wenn es euch möglich ist.

In diesem Sinne wünsche ich noch einen positiven, sicheren Tag und bin froh, mir das Thema ein wenig von der Seele geredet zu haben.

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2 Comments

  • Reply
    Bernd
    23/05/2016 at 11:18

    Es macht einen echt traurig sowas von einer Frau zu hören. Ich finde es richtig schlimm, dass sich Generationen von Frauen in Europa für die Rechte der Frauen eingesetzt und zur Wehr gesetzt haben und scheinbar wenige Generationen es nun zulassen, dass dies alles umsonst war.
    Mittlerweile werden solche Taten schon fast toleriert, weil es schon zur Gewohnheit geworden ist.
    Traurig…

    Liebe Grüße
    Bernd – http://www.STYLEandFITNESS.de

  • Reply
    Alina
    06/07/2016 at 13:45

    Ich schließe mich Bernd zu 100% an – sobald ich solche Aussagen (vor allem von Frauen) höre breche ich meistens eine Diskussion vom Zaun. Das darf einfach nicht geduldet werden!

    xxx
    Alina
    http://www.theladies.at

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